Das Buch des Propheten Jona: Kapitel 4,1-5

Das Buch des Propheten Jona

Auch wenn in der dritten Person dieses Buch verfasst worden ist, sind sich viele Ausleger einig, dass die Geschichte von Jona selbst verfasst wurde. Im Alten Testament war es zudem nicht unüblich, in der dritten Person zu schreiben. Jona war ein israelischer Prophet – von seinem Dienst allerdings wird in diesem Buch nicht berichtet, sondern von Gottes Auftrag an ihm, in der Stadt Ninive von der Buße zu predigen.

Jonas Unmut und die Zurechtweisung des Herrn
1 Das aber mißfiel Jona sehr, und er wurde zornig.
2 Und [Jona] betete zum Herrn und sprach: Ach, Herr, ist’s nicht das, was ich mir sagte, als ich noch in meinem Land war, dem ich auch durch die Flucht nach Tarsis zuvorkommen wollte? Denn ich wußte, daß du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und von großer Gnade, und das Unheil reut dich!
3 Und nun, Herr, nimm doch meine Seele von mir; denn es ist besser, ich sterbe, als daß ich lebe!
4 Da sprach der Herr: Ist es recht, daß du so zornig bist?
5 Hierauf ging Jona zur Stadt hinaus und ließ sich östlich von der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte und saß unter ihrem Schatten, bis er sähe, wie es der Stadt ergehen würde.

Hebräischer Urtext
(Die hebräische Schrift wird normalerweise von rechts nach links geschrieben und gelesen.)

1: וירע Das aber mißfiel אל ihm יונה Jona רעה Zorn גדולה groß ויחר ärgerte לו sich.

2: ויתפלל Und er betet אל zu יהוה Jahwe ויאמר und er spricht אנה Oh! יהוה Jahwe הלוא ist nicht זה das passiert דברי das Wortעד welches היותי ich sprach על der אדמתי Grund על־כן als ich קדמתי in meinem Land war לברח dem ich zuvorkommen wollte לברח durch die Flucht תרשישה nach Tarsis? כי Das ידעתי ich wusste כי das אתה du אל Gott חנון gnädig ורחום und barmherzig bist ארך langsam zum אפים Zorn ורב und reich an חסד Güte ונחם und reust dich על des הרעה Unheils.

3: ועתה Und jetzt יהוה Jahwe קח nimm נא bitte נפאת שי meine Seele ממני von mir כי es ist טוב besser מותי zu sterben מחיי als zu leben.

4: ויאמר Und er spricht יהוה Jahwe ההיטב ist es gut חרה das zornig לך bist du?

5: ויצא Und er geht fort יונה Jona מן aus העיר der Stadt וישב und er sitzt מקדם an der südlichen Seite לעיר der Stadt ויעש und er macht לו sich לו eine סכה Hütte וישב und er sitzt תחתיה unter בצל ihrem Schatten עד bis אשר er יראה sähe מה wie יהיה es ergeht בעיר der Stadt.

Auslegung

1 Das aber mißfiel Jona sehr, und er wurde zornig.

Ein einzelner kurzer Satz, der doch soviel aussagt. Wir könnten uns wundern, warum Jona zornig wurde. Immerhin ist die Stadt und all die Menschen darin verschont worden vom Herrn. Die Menschen taten Buße und kehrten um zu ihm. Doch Jona scheint genau diesen Umstand verärgert zu haben.

2 Und [Jona] betete zum Herrn und sprach: Ach, Herr, ist’s nicht das, was ich mir sagte,
_____als ich noch in meinem Land war,
__________dem ich auch durch die Flucht nach Tarsis zuvorkommen wollte?
Denn ich wußte, daß du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und von großer Gnade, und das Unheil reut dich!

Ist es nicht anmaßend, so zum Herrn zu sprechen? Jona erklärt, dass er wusste, dass Gott barmherzig ist und darum wollte er nicht nach Tarsis gehen und zu den Menschen sprechen. Jona war sich sicher, dass Gott ihnen vergeben würde. Hier erfahren wir eine Menge über die Herzenshaltung Jonas. Doch geht es uns manchmal nicht auch so? Können wir Menschen die göttliche Barmherzigkeit verstehen? Ich bezweifel das.

3 Und nun, Herr, nimm doch meine Seele von mir;
_____denn es ist besser, ich sterbe, als daß ich lebe!

Jona hatte dem Herrn ein Gelübde gegeben (2,10) welches er mit seinem Zorn gegenüber Gott gebrochen hatte. Vielleicht wollte er deshalb sterben?

4 Da sprach der Herr: Ist es recht, daß du so zornig bist?

Gott spricht nicht oft direkt zu den Menschen und wenn er spricht, dann macht er keine langatmigen Reden um das Problem. Ist es recht, das Jona so zornig ist? Nein, mit Sicherheit nicht.

5 Hierauf ging Jona zur Stadt hinaus und ließ sich östlich von der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte und saß unter ihrem Schatten, bis er sähe, wie es der Stadt ergehen würde.

Jona scheint noch immer sehr wütend zu sein, denn er antwortet dem Herrn nicht. Stattdessen marschiert er aus der Stadt und baut sich eine Hütte, um zu beobachten, was aus ihr wird.

Reden wir manchmal auch unangemessen mit dem Herrn und sind über seine Handlungen erbost?

 

Gott kennt den großen Plan – wir Menschen nicht. Es ist besser, ihm voll und ganz zu vertrauen, als ihn ungerechtfertigter Weise anzuklagen.

Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. - Epheser 2,8-9 -

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