Lebe ich in Isolation? Gedanken am Strand.

Eine Glaubensschwester schrieb mir vor einigen Tagen eine Email. Fragte mich, wie es mir in der corona-isolierten Zeit gehen würde. Als ich den Satz las, musste ich erstmal schlucken. Denn ganz ehrlich: Die Isolation in der jetzigen Zeit hatte sich für mich nie geändert. Mein Leben war davor genau so isoliert, wie es das heute ist.

Ich empfand es auch nie als Isolation, aber offenbar empfanden viele das anders. Das kann ich auch nachvollziehen. Wenn man im Leben viel aktiv gemacht hat, vielleicht es gewohnt war, Menschen zu treffen, dann war die jetzige Zeit ein großer Einschnitt. Und ich hoffe auch sehr, dass die Maßnahmen zur Lockerung intensiviert werden.

Ich glaube ja, dass die Persönlichkeitsstörung schon immer als Veranlagung da gewesen ist. Aber richtig „ausgebrochen“ ist sie in meiner Bundeswehrzeit. In all den Jahren danach – vor allem nach meiner Bekehrung – hat Gott mir gezeigt, wie ich damit umgehen kann.

Wenn ich mich sozusagen zu Hause einkapsel und mich isoliere, bedeutet das einfach nur, dass ich die Ruhezeit benötige. Frühere Versuche, mich hinter einer Maske zu verstecken und so tun als ob alles „normal“ ist – endeten immer in Krisen. Wenn Gott etwas nicht heilt, dann bedeutet das für mich nicht, dass ich ihm gleichgültig bin, sondern dass ein anderer Sinn dahinter steckt.

Ich bin ihm dankbar, dass ich in meinen eigenen vier Wänden leben kann und schätze das sehr wert. Es gab eine Zeit, wo das noch nicht sicher war, ob ich jemals wieder alleine leben kann, weil ich so instabil war. Was Gott da gewirkt hat, ist – mit Worten nicht zu begreifen. Ich bin ihm mehr als dankbar, dass ich heute hier in Ruhe wohnen kann und mich auch wohl fühle.

Isolation empfinde ich nicht als Leidensdruck

Die größte Herausforderung für mich, sehe ich darin, anderen zu erklären, dass gewisse Verhaltensweisen nicht bedeuten, dass ich keinen Kontakt zu Menschen haben möchte. Zum Beispiel habe ich das Handy immer im Flugmodus. Nun kann man mir vorwerfen, dass ich keine Anrufe haben möchte, ergo keinen Kontakt zu Menschen. Doch ich habe gemerkt, dass ich sehr angespannt werde, wenn das Handy nicht im Flugmodus ist, da ich eben nicht immer in „Telefonierstimmung“ bin.

Außerdem rief mich einige Zeit lang eine Firma ständig an, um ihren Stromtarif zu bewerben. Den Mitarbeitern dort war es egal, wenn man den Anruf ablehnte. Sobald man ran ging, wurde die Nummer im System vermerkt und es klingelte fortan ständig.

Die einzige Möglichkeit, sich dem zu entziehen war: Unerreichbar zu sein.

Nach einigen Monaten flog meine Nummer wieder aus dem System, da dank Flugmodus diese Firma mich nicht mehr erreichen konnte (sie wurde übrigens schon mehrmals abgemahnt und musste auch eine horrende Schadenssumme zahlen – hat sie nicht davon abgehalten, weiter so zu agieren).

Ist es egoistisch, wenn man sich Zeit für sich nimmt?

Lebe ich in Isolation?

Mit Selbstverwirklichung hat das nichts zu tun

Ich glaube, dass man in christlichen Kreisen schnell denken kann, dass manche auf einem Egotrip sind.  Aber mit Selbstverwirklichung hat das nun gar nichts am Hut. Es ist einfach so, dass ich eben psychisch krank bin und damit lebe. Gott gibt mir Frieden darüber und hilft mir, Strategien zu entwickeln, dass ich nicht wieder in der Psychiatrie lande.

Einfach so spontan telefonieren ist nicht drin. Denn, wenn ich mit jemanden telefoniere, möchte ich mir auch Zeit für diese Person nehmen. Ich bin dann sozusagen gedanklich darauf vorbereitet und plane für das Gespräch auch gerne eine längere Dauer ein. Vielleicht räume ich einem Telefonat auch eine höhere Wertigkeit ein. Das ist wie ein Gespräch mit jemandem. Mir ist es wichtig, denjenigen kennen zu lernen. Das geht am ehesten, wenn man nicht in einer großen Gruppe umgeben ist.

Aber genau das ist leider oft ein Konzept, welches schnell untergehen kann. Kann ich auch auf der einen Seite verstehen. Es ist zeit technisch günstiger, sich mit mehreren Menschen zu treffen als mit einem. Allerdings leidet für mich die Gesprächsintensivität dadurch. Ich kann mich z.b. nur schwer in Gruppen öffnen und schwimme dann auch eher auf der Oberfläche mit den anderen. Weshalb ich auch für mich beschlossen habe, dass ich einem tiefsinnigen Gespräch einer Gruppenaktivität immer vorziehen werde.

Ich lebe offenbar in Isolation, empfinde das aber nicht als Leidensdruck. Die Isolation gibt mir die Ruhe, die ich brauche im Leben. Und ich bin Gott dankbar, dass er mir zeigt, dass das okay ist. Jeder von uns ist unterschiedlich. Wären wir alle gleich, würden wir alle dasselbe denken, wäre die Welt doch sehr arm an interessanten Begegnungen, oder?

Kristina

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. - Römer 10,9 -

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