Ein gescheiterter Plan – und trotzdem glücklich?

Mein gescheiterter Plan - und trotzdem glücklich?

Ich hätte vor vielen Jahren nie damit gerechnet, irgendwann erwerbsunfähig in einer Wohnung zu sitzen, weil die psychische Krankheit mich derart einschränkt. Mein Plan im Leben sah ganz anders aus. Als ich damals die Ausbildung zur Bürokauffrau absolvierte, wusste ich: das ist nichts für mich.

Die Bundeswehr sollte es sein! Dort konnte ich Sport während der Dienstzeit machen. Eine Win-Win Situation sozusagen.

Meine Bewerbung wurde angenommen und nach der Grundausbildung ging es dann in die Einheit. Ihr müsst wissen, dass man nach der Grundausbildung verschiedene Lehrgänge absolvieren muss und beim zweimaligen Nichtbestehen des Lehrganges sozusagen vom Bund rausgeschmissen wird. Meine Laufbahn sah zwar zwölf Jahre vor, allerdings hatte ich einen Arbeitsvertrag von nur zwei Jahren, da ich in dieser Zeit die wichtigen Lehrgänge bestehen musste.

Und so kam ich vom Regen in die Traufe. Indem ich mich für den Logistikbereich bei der Bundeswehr entschieden hatte. Bürokauffrau Hardcore sozusagen. Es gab für mich keinen Plan B im Leben. Also musste dieser einfach klappen. Auch wenn ich im Herzen wusste, dass das nichts für mich ist.

Ich lernte so viele Stunden in diesen Wochen und am Ende hatte es trotzdem nicht gereicht. Die ganze Mühe – alles umsonst?So saß ich – Stunden um Stunden – vor den Aktenordnern, um mir die unzähligen Paragraphen einzuprägen. Doch so schnell wie ich sie wieder vergaß, konnte ich sie gar nicht erneut einprägen. Es kam, was kommen musste. Während der Abschlussprüfung bekam ich einen Blackout und konnte keine Buchungen mehr richtig durchführen. Ich wusste, dass ich Fehler gemacht hatte und schrieb in meiner Verzweiflung auf den Buchungszetteln, dass ich von den Fehlern wusste, sie aber nicht mehr rückbuchen konnte. Ich fiel durch.

Trotz der täglichen Lernerei hatte es einfach nicht gereicht.

Am schlimmsten war, dass ich diesen Lehrgang wiederholen musste. Und diesmal bestehen musste.

Mein Plan war nicht Gottes Plan gewesen.

Beim zweiten Mal beim Lehrgang erlebte ich bei der Abschlussprüfung übrigens wieder einen Blackout. Doch diesmal war meine Vornote so gut gewesen, dass selbst die versemmelte Prüfung mich nicht hätte rausschmeißen hätte können. Ich bestand den Lehrgang, wurde befördert und nach Kiel versetzt. Dort endete dann nach einiger Zeit die unrühmliche Reise mit der Bundeswehr in mehreren Suizidversuchen und Klinikaufenthalten. Ich konnte einfach nicht mehr.

Diese Zeit habe ich ohne Gottes Geborgenheit durchlebt. Und ich kann dir sagen, dass wenn Gott einen anderen Plan im Leben für dich hat, als du – dann kannst du nicht dagegen ankämpfen. Jetzt kann man natürlich sagen, was das für ein Plan ist. Erwerbsunfähig, zu Hause sitzend – was ist das für ein Leben???

Ich habe viele Jahre selbst mit mir gekämpft, diese Situation zu akzeptieren, wie sie ist. Einfach, weil ich nicht anders kann. Es geht einfach nicht mehr. Und Gott sieht das und schenkt mir die Ruhe, die ich brauche.

Mein gescheiterter Plan - und trotzdem glücklich?

Gott definiert Erfolg anders, als wir Menschen es tun

Ich wollte Geld verdienen, eine Familie haben, ein Haus, ein Auto? All das existiert nicht. Bin ich deswegen bitter? Nein. Ich sehe, wie viel Gott in meinem Leben gewirkt hat und wirkt. Er hat mein Leben gerettet als ich sterben wollte. Er schenkt mir Geborgenheit, da wo ich mich ängstige. Gott gibt meiner Seele Ruhe, wo ich mich über manche Dinge aufrege und ärgere.

Er verschafft meinem Herzen Frieden. Den diese Welt nicht kennt.

Gott sieht uns Menschen mit anderen Maßstäben. Und ich bin ihm dankbar dafür. Deswegen war es mir auch wichtig, so offen wie möglich darüber zu schreiben, weil ich mir da keiner Schuld bewusst bin. Ich habe mein Leben lang mich durch die Schule, Ausbildung und Arbeit gekrampft. Es war immer eine Qual für mich gewesen, da ich schon seit Kindheitstagen psychisch krank bin. Aber ich habe dennoch viele Jahre versucht, den Maßstab der Gesellschaft gerecht zu werden. Bis ich beinah daran gestorben bin.

Jetzt bin ich Gott dankbar, dass er mich gerettet hat. Das ich wissen darf, ein Kind Gottes zu sein. Vielleicht hätte ich mich nie bekehrt, wenn ich bei der Bundeswehr geblieben wäre. Wer weiß. Wissen tue ich immerhin eines: Ich weiß, wo ich die Ewigkeit verbringen werde. Und das ist viel wert!

Kristina

Auf Übermut folgt Schande, bei den Demütigen aber ist Weisheit. - Sprüche 11,2 -

4 Kommentare

  1. Anonymous
    21. August 2020
    Antworten

    Liebe Kristina,
    danke für diesen wunderschönen Blog. Ich bin durch Zufall auf deine Seite gelangt, als ich über die Paranoidepersönlichkeitsstörung nachlesen wollte. Ich bin selber Betroffene. Die Diagnose habe ich letzes Jahr in der Klinik bekommen, als gar nichts mehr ging.
    Bisher habe ich mich damit immer sehr alleine gefühlt, aber ich fühle mich in deinen Worten sehr verstanden.
    Das was du schreibst mit dem Gefühl im Leben versagt zu haben kenne ich so gut. Ich habe keine Arbeit, musste wegen der Erkrankung mein Studium abbrechen und habe keine Kinder, die ich mir doch so sehr wünsche.
    Gerade mache ich eine Reha für Psychisch Kranke Menschen umd heraus zu finden ob ich wieder auf den ersten Arbeitsmarkt kann. Die Ärzte sagen ich bin leistungsfähig, aber ich zweifle immer wieder sehr an mir und bin oft überfordert. Ich schlittere sozusagen von einer Krise in die nächste…
    Ich finde es erstaunlich wie viele Parallelen es in unserer Geschichte gibt. Ich hatte auch eine Magersucht in der Pubertät und nun Gewichtsprobleme, erinnere mich daran schon als Kind viel Misstraut zu haben bzw. Suizidgedanken und habe nun auch zurück zu Gott gefunden.
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und bin dir sehr Dankbar, dass du dich getraut hast Dich zu öffnen und diese Platform bietest.
    Einen ganz lieben Gruß und Gottes Segen,
    H.

    • Kristina
      24. August 2020

      Liebe/r H. Bei deinem Kommentar war ich erstmal sprachlos, weil ich deinen Mut und deine Offenheit, mir zu schreiben, sehr berührend empfunden habe. Man landet in der Klinik wenn nichts mehr geht. Aber bis dahin war man mit seinen inneren Zweifeln alleine und bemühte sich, den gängigen Normen anzupassen. Ist nur nicht möglich mit einer psychischen Erkrankung. In meinem Fall habe ich das auch lange verdrängt und mich quasi gezwungen durchzuhalten. Ich habe mir eine äußere Maske zugelegt, um zu funktionieren. Bis eben nichts mehr ging.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass du einfach jetzt Zeit und Ruhe brauchst, um auch die Erfahrungen in der Klinik zu verarbeiten. Wenn du schreibst, dass du von einer Krise in die nächste schlitterst, sieht das ja nicht nach arbeitsfähig aus. Ich persönlich bin froh, dass ich da Ärzte um mich hatte, die mir eher davon abgeraten haben, wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten zu gehen.

      Ich war in dieser Zeit auch sehr verunsichert, wollte niemandem auf der Tasche liegen und meine „Karriere“ bei der Bundeswehr eigentlich fortsetzen. Aber ich musste erkennen, dass das einfach so nicht mehr geht. Es ist echt erstaunlich, wie viele Parallelen wir in unserem Leben haben. Und ich kann nur erahnen, wie es dir momentan seelisch geht. Ich wünsche dir, dass der Herr dich auch durch diese Zeit durch trägt und dass er dir zeigt, ob du auf dem ersten Arbeitsmarkt weiter arbeiten kannst oder ob du einfach mehr Zeit und Ruhe benötigst. Wenn du möchtest, kannst du mir auch gerne per Mail schreiben. Liebe Grüße Kristina

  2. Soulmate
    23. August 2020
    Antworten

    Wie schon Paulus schreibt:
    „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.“
    Gottes reichen Segen

    • Kristina
      24. August 2020

      Ja, was für wahre Worte. Danke, dass du sie geschrieben hast! Amen.

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