Die Glaubensprüfung

Letztes Wochenende war ich zum allerersten Mal auf einer christlichen Jugendfreizeit.

Ich habe mich erst 2013 zum Herrn bekehrt und bin durch meine psychischen Einschränkungen nicht oft in großen Menschengruppen unterwegs. Stress geht bei mir sofort durch, ich kann das als nicht isoliertes Gefäß beschreiben.

Der große psychische Zusammenbruch erfolgte 2011, also vor meiner Bekehrung. Damals musste ich einige Monate in Kliniken verbringen und anschließend lernte ich nur langsam, wieder alleine in meiner Wohnung zurechtzukommen.

Nach meiner Bekehrung betete ich natürlich oft für Heilung, aber eben auch, dass Gott seinen Willen geschehen lassen soll. Das tut er sowieso, aber es ist sehr tröstlich zu wissen, dass der Herr den Plan für einen hat und alles zum Besten dient.

Wie kann in einer Schwäche Gott groß werden?

Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Ich hatte für die Freizeit Vorkehrungen getroffen, eine liebe Schwester würde sich um meine Katzen kümmern. Am Freitag packte ich den letzten Rest meiner Sachen zusammen und fuhr zu einem christlichen Paar, welches mich mitnehmen würde nach Wrist.

Im Auto fragte man mich, was ich empfinden würde. Ich antwortete ehrlich:

„Eine Mischung aus Freude und Panik.“

Wir lachten alle herzlich darüber.

Und doch sollte sich beides später bewahrheiten.

Der Abend war vollgepackt mit Programm und ich hatte mich bei der Planung für die Abschlussansprache eingetragen, weil ich dort mein Zeugnis geben wollte. Um Christen etwas kennen zu lernen, ist es am besten, sich ihr Zeugnis anzuhören. Nach einem sehr ausgefüllten und gesegneten Abend mit den Geschwistern wurde es Zeit, ich stand auf und trat vor die versammelten Brüdern und Schwestern.

Komischerweise bin ich bei sowas nicht aufgeregt – ich hatte nichts schriftliches vorbereitet und trug frei meine Lebensgeschichte in kurzen Sätzen vor.

Anschließend beteten wir noch und ich – schon recht müde – ging ins Bett.

Die Nacht war sehr schwierig für mich, ich konnte kaum schlafen und gerädert stand ich am nächsten Tag auf. Schon da merkte ich, dass ich mich anders fühlte als sonst.

Wir frühstückten ausgiebig und sehr lecker zubereitet von den „Küchenengeln“ (Geschwister die extra zur Freizeit mitkamen, um uns zu bekochen!). Aber meine Laune konnte das nicht heben.

Das Vormittagsprogramm startete und ich war völlig neben der Spur. Glücklicherweise war es eine Gruppenarbeit, so das niemand merkte, dass das Thema mich nicht tangierte. Lustlos kritzelte ich Zeichnungen auf den Fragezettel und innerlich merkte ich, wie eine tiefe Traurigkeit in mir hochstieg.

In der Mittagspause ging ich aufs Klo und verdrückte da ein paar Tränen – ich konnte mich aber nochmal fangen und wusch mein Gesicht mit kaltem Wasser.

Was war nur los?

Ich war umgeben von lieben Geschwistern und dennoch fühlte ich eine innere Unruhe, Aufgewühltheit und den starken Drang nach Hause fahren zu wollen.

In der Mittagspause setzte ich mich an das Klavier und spielte ein paar Melodien, die ich gerade eingeübt hatte. Eine Schwester kam dazu und fragte mich:

„Bist du nicht hungrig?“
„Nein.“
„Ist der Grund ein seelischer oder hast du wirklich keinen Hunger?“
„Beides.“
„Ja, so klingst du auch gerade.“

Ich wusste, dass viele Geschwister für mich gebetet haben, dass ich die Freizeit gut überstehen würde. Mein Schlafrythmus war völlig anders und das volle Programm am Tag war eine Herausforderung. Außerdem musste ich Medikamente nehmen, die auch nicht ohne waren.

Und nun war gerade ein Tag vergangen und ich war am Ende.

Als ich hörte, dass ein Bruder mit seiner Familie uns besuchen und die Kanutour mitmachen würde (auf die ich mich ebenso freute!), sah ich einen Ausweg aus meinem Dilemma.

Als ich mit den Leitern sprach, war ein dicker Kloß in meinem Hals. Aber ich war emotional mit einigen Dingen überfordert und brauchte einfach Ruhe.

Ich war sehr dankbar, wie man mir gegenüber reagiert hat.

Mit Verständnis und Liebe.

Nach der Kanutour „überfiel“ ich den armen Bruder, der von meinem inneren Zerwürfnis noch nichts ahnte. Ich hatte gedacht, dass er über meinem Ort nach Hause fahren würde, aber das hatte er nicht geplant. Wegen mir nahm er einen Umweg in Kauf und das rechnete ich ihm hoch an.

Innerlich zufrieden – aber noch immer aufgewühlt – packte ich meine Sachen und ging zum Auto. Es fiel mir schwer, mich nicht von allen zu verabschieden, aber ich wollte verhindern, dass ich in einen Heulkrampf ausbreche. Manche Menschen mögen vor Anderen weinen und ihre Gefühle ausleben, aber ich gehöre nicht dazu.

Als ich zu Hause angekommen war, fiel eine Last von meinen Schultern.

Ich rief sofort meine Mutter an und wir redeten einige Zeit.

Ich hatte auch das Bedürfnis auf Facebook darüber zu schreiben, weil dort auch einige Geschwister für mich gebetet hatten. Als ich den Beitrag beendet hatte, fühlte ich mich wie befreit.

Spät Nachts legte ich mich ins Bett, weil ich so aufgekratzt war, konnte ich nicht eher schlafen gehen. Dafür schlief ich 12 Stunden fest durch und stand ausgeruht (na, das sollte nach so einer langen Zeit auch so sein) und selig auf.

Selig?

Ja.

Bei manchen Dingen braucht man eine gewisse Zeit, um zu erkennen, woher sie kommen. War das alles eine Anfechtung vom Feind gewesen, der mich von meinen Geschwistern trennen wollte? Das könnte sein.

Aber ich merkte auch, dass Gott nicht wollte, dass ich das volle Wochenende dort verbringe, weil mich das überfordert hätte. Und zwar in einer Weise, die nur sehr schwer zu verstehen ist. Menschen mit Depressionen, können das eher nachvollziehen.

Kommen wir zurück zur Seligkeit.

Ich mag das Wort.

Denn ich habe am Wochenende und jetzt immer noch wo ich das schreibe, eine tiefe Zufriedenheit empfunden. Und das hat mir der Herr geschenkt.

Immer mehr erkenne ich, dass es sein Wille war, dass ich nur einen Tag dort verbrachte.

Und genau darum bin ich meinem Herrn dankbar.

Denn ich bete darum, dass sein Wille geschieht und nicht meiner. Er hat das Beste für mich im Sinn. Ich hätte mich durch das Wochenende quälen können und wäre irgendwann wohl heulend in einer Ecke gesessen wo die Geschwister nicht verstanden hätten was mit mir los gewesen wäre (und was bin ich Gott dafür dankbar, dass dieser peinliche Moment nicht eingetreten ist!).

Ich habe vor meiner Bekehrung, als ich noch Soldat war, mich öfters durch unangenehme Situationen gekämpft. Mehrmalige Versetzungen mit kurzer Vorlaufzeit (eine Spezialität des Bundes), Mobbing durch Vorgesetzte, Überforderung am Arbeitsplatz, weil die Einweisung mangelhaft war, etc etc.

Ich habe gekämpft, bis fast zur völligen Selbstvernichtung.

Es fällt mir immer noch nicht leicht, zuzugeben, dass ich vieles nicht mehr so schaffe, wie gesunde Menschen, aber eines kann ich: Ich vertraue meinem Herrn!

Ich vertraue ihm, dass ER den Plan für mein Leben hat und ER will, dass alle Dinge die mir geschehen, zum Besten dienen. Weil er mein Herr ist, weil er mein Retter ist.

Weil ich meinen Herrn liebe.

Und weil er mich liebt.

Wir Christen sehen oft nur die oberflächlichen Dinge, wie z.b. die erforderliche Heilung von meinen Depressionen und Schwächen. Aber diese Dinge machen mich sensibel für andere, die dasselbe empfinden und sie schützen mich vor meiner Ignoranz, mich zu überfordern.

Das bedeutet nicht, dass ich keine Heilung will, aber ich vertraue da meinem Herrn. Er schenkt Heilung oder nicht. Der Apostel Paulus hatte auch um Heilung gebetet, aber Gott sprach zu ihm:

„Lass dir an meiner Gnade genügen.“

Können wir das auch?

An der Gnade Gottes uns genügen?

Das Wochenende war darum einer sehr gute Glaubensprüfung für mich, aber auch eine für meine Geschwister. Sie konnten mich etwas besser kennen lernen und meine Schwächen vielleicht besser verstehen.

Ich bin davon überzeugt, dass aus dem, was am Wochenende geschehen ist, etwas sehr gutes und fruchtbares wachsen wird! Denn Gott ist groß und einzigartig, einmalig, wunderbar.

Er ist mein Herr.

Und ich bin sein Kind.

Dem alleinigen Gott, unserm Heiland, sei durch Jesus Christus, unsern Herrn, Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen.

Kristina

Darum, wer meint, er stehe, der sehe zu, dass er nicht falle. - 1. Korinther 10,12 -

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