Gute Argumente für das Prüfen anhand der Bibel finden

Ein junger Mann steht ungesichert auf einem Brückenträger. Er hält eine Kamera in der Hand. Wahrscheinlich will er ein ganz besonderes Foto schießen. Ich habe das Bild nicht zufällig ausgewählt, als ich darüber nachdachte, diesen Beitrag zu schreiben.

Wenn wir als Christen die Lehren anhand der Bibel nicht prüfen, dann gleichen wir wie jemand, der ungesichert auf Brückenträgern herumspaziert und beim einer Windböe das Gleichgewicht verlieren kann.

Damit möchte ich aber nicht suggerieren, dass – wenn wir geistig fallen – verloren sind. Ein wiedergeborener Christ ist ein Kind Gottes und wird das auch bleiben. Für diejenigen, die sich mit diesem sehr umfangreichen Thema befassen möchten, empfehle ich den Vortrag von Roger Liebi mit dem Titel „Können Erlöste verloren gehen?„. Ist auf Youtube zu finden und widmet sich nur diesem Thema, mit Einbeziehung aller Bibelstellen, die bei manchen Diskussionen als „kritisch“ angesehen werden.

Aber hier soll es ums prüfen gehen und um zwei Argumente, die immer wieder in Diskussionen auftauchen. Das erste Argument ist:

  • Da ich nicht richten soll anhand der Bibel, steht es mir nicht zu, die Lehren zu überprüfen und zu beurteilen.

Dieses Argument taucht garantiert in jeder Diskussion auf. Ganz besonders in den medialen Netzwerken sehe ich als Leser diesen Satz in ähnlicher Form ständig auftauchen. Aber was soll dieser Satz eigentlich bewirken?

Wenn ich mit jemanden schreibe/spreche und dieser Satz kommt vom Gegenüber, dann bezichtigt mich dieser eines falschen Verhaltens. Er suggeriert mir, dass ich eine Grenze übertrete (nämlich die des Richtens) und das er sich richtig verhält – ganz im Gegensatz zu mir. Leider fällt dieser Satz häufig dann, wenn die Gegenseite keine Argumente findet. Wobei ich persönlich davon abrate, mich in Diskussionen zu verstricken. Wir sollten immer versuchen, den Herrn zu ehren.

Es geht hier in diesem Beitrag deswegen auch nicht darum, die besten Streitargumente zu finden, um den anderen „fertig“ zu machen, sondern um die Beurteilung des oben genannten Argumentes und ob derjenige mit dieser Aussage richtig liegt.

Die Bibel ist im Falle des Richtens sehr eindeutig:

Richtet nicht,
damit ihr nicht gerichtet werdet!
– Matthäus 7,1 –

Also darf ich die Lehren nicht beurteilen?

Lasst euch von niemand mit leeren Worten verführen!
Denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams.
So werdet nun nicht ihre Mitteilhaber!
Denn ihr wart einst Finsternis; jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn.
Wandelt als Kinder des Lichts!
Die Frucht des Geistes besteht nämlich in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Prüft also, was dem Herrn wohlgefällig ist,
und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis,
deckt sie vielmehr auf;
denn was heimlich von ihnen getan wird,
ist schändlich auch nur zu sagen.
– Epheser 5,6-12 –

Also was denn nun?

Immer, wenn sich zwei Bibelverse anscheinend widersprechen, ist die Lösung ganz einfach: Die Worte Gottes widersprechen sich niemals! Gottes Wort ist vollkommen und wenn ich als Mensch etwas nicht begreife, dann liegt das einzig und alleine an meinen begrenzten Verstand.

Die Erklärung liegt hier auf der Hand.

Um eine Lehre als falsche Lehre zu erkennen, muss ich sie anhand der Bibel prüfen! Nachdem ich sie geprüft habe, muss ich sie beurteilen.

Ist die Lehre nun biblisch richtig oder nicht? Bei nein, muss ich mich von dieser Lehre distanzieren, denn jede falsche Lehre wird über kurz oder lang in meinem christlichen Leben Schaden anrichten.

Das besonders perfide an der Sache ist, dass sich viele Lehren als christliche Lehren tarnen. Um sie als falsche Lehren zu erkennen, brauche ich ein gutes Bibelwissen. Dazu muss ich die Bibel lesen und nicht nur das Neue Testament, sondern ebenso das Alte. Und genau das ist leider vielen Geschwistern heutzutage zu mühevoll.

Als ich mich bekehrt hatte, habe ich quasi im Schnellverfahren eine Webseite erstellt. Und nicht lange danach, bekam ich eine Mail von einer Frau, die sich als Christin vorstellte. Ich war frisch bekehrt, las zum ersten Mal die Bibel mit geöffneten Augen und freute mich einfach, jemanden zu haben, mit dem ich mich geistig austauschen konnte.

Der Email Kontakt war sehr herzlich und wir verstanden uns sehr gut.

Bis die Sabbatfrage aufkam.

Ich war naiv und antwortete ihr, dass ich anhand der Bibel kein Samstagsgebot finden konnte. In der Bibel stand eindeutig drin, dass jeder Tag ein Tag des Herrn sein konnte. Das war für mich auch einfach logisch, weil Gott möchte, dass wir ihn an jeden Tag ehren und nicht nur am Samstag oder am Sonntag.

Da hatte ich bei ihr einen wunden Punkt getroffen und ich bekam eine wütende Email zurück, in der sie sechs (sechs!) mal die 10 Gebote kopiert und farblich unterschiedlich markiert (wegen unterschiedlichen Bibelübersetzungen) hatte.

Ohne es zu wissen, hatte ich in ein Wespennest gestochen. Ich beendete den Kontakt, weil ich merkte, dass sie auf diesen Punkt so fixiert war, dass sie meine Bekehrung sogar in Frage stellte, nur weil ich den Samstag nicht feierte, so wie sie.

In all dieser Zeit spürte ich, dass mich der Herr wunderbar geführt hatte. Er gab mir innere Ruhe, damit umzugehen. Später prüfte ich ihre Lehre und erkannte, dass es viele christliche Lehren gibt, die sich der Bibel bedienen, aber ihre ganz eigene Lehre daraus gestrickt haben. Mir hat diese Begegnung insofern geholfen, weil Gott mir durch die Bibel ganz klar aufgezeigt hat, was richtig ist und was nicht. Jedoch ein Urteil fällen, das steht mir nicht zu! Das obliegt alleine dem Herrn und ich weiß, dass er das eines Tages tun wird, als gerechter Richter.

Das zweite Argument taucht auch immer mal wieder auf. Es geht um folgende Aussage:

  • Da Gott Liebe ist, sollten wir alles durch die Augen der Liebe betrachten und deswegen auch alles so annehmen wie es ist.

Wenn ich die Aussage von fern betrachte, muss ich ihr Recht geben. Ja, Gott ist Liebe. Gott liebt uns so sehr, dass er seinen eigenen Sohn am Kreuz geopfert hat, damit wir durch Glauben gerettet werden können!

Wenn ich die genannte Aussage mal plakativ ausmale, dann gibt es ja kein richtig und falsch mehr. Wenn Gott nur Liebe ist, dann kann jeder in den Himmel kommen. Selbst, wenn derjenige es gar nicht will. Das ist natürlich totaler Unsinn.

Mit diesem „Liebesargument“ wird oft verschleiert, dass Gottes Liebe nicht ohne Forderungen an uns ist. Er fordert von uns nämlich, dass wir uns erkennen, als das, was wir sind. Erst, wenn ich meine Sünden erkannt habe und an das Opfer am Kreuz glaube und dass ich Jesus als Sohn Gottes und Gott selbst anrufe, dann kann die Liebe Gottes in mir erst volle Wirkung entfalten.

Erst mit meiner Wiedergeburt als Kind Gottes kann ich die tiefe Liebe Gottes wirklich erkennen.

Darum hat Jesus – als er auf der Erde als Mensch wanderte und predigte – sehr oft vor der Hölle gewarnt. Denn diese ist – ebenso wie der Himmel – Wirklichkeit.

Das Gott Liebe ist, bestreite ich nicht, dass Gott aber deswegen alles für gut befindet, das ist nicht wahr. Die Bibel ruft uns nicht umsonst dazu auf, zu prüfen und nochmals zu prüfen. Und vor allem, nach unserer Prüfung Konsequenzen zu ziehen.

Ich würde für keine Gemeinde hier auf der Erde meine Hand ins Feuer legen, dass schädliche Lehren nicht eindringen. Der Feind ist listig und es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, Gemeinden zu unterwandern. Für mich habe ich innerlich Grenzen gesetzt, bei denen ich die Gemeinde ohne wenn und aber verlasse. Auch wenn ich hoffe, dass das niemals bei uns eintreten wird.

Und das ist die stärkste Waffe des Feindes.

Wir ziehen wenig Konsequenzen.

Selbst, wenn wir erkannt haben, dass manche Lehre nicht biblisch ist, gibt es immer Geschwister, die diese verteidigen und diese nicht prüfen wollen. Das liegt leider auch daran, dass wir Gefühlsmenschen sind. Heutzutage wird das Gefühl als Maßstab für eine Lehre rangezogen. Ich habe das selbst schon mehrmals erlebt, wenn jemand sagt „Wenn es sich gut anfühlt, dann ist es auch gut für mich.“

Und genau da liegt der Hund begraben.

Ich darf mich niemals von Gefühlen leiten lassen!

Die Bibel ruft uns auf, nüchtern zu sein. Nur wenn ich meinen Verstand angeschaltet habe, kann ich die Lehren prüfen, ob sie biblisch sind oder nicht. Und alles, was nicht biblisch ist, ist automatisch schlecht für mich. Da ist es vollkommen egal, ob ich ein gutes Gefühl habe oder nicht. Ich kann auch verstehen, dass es für einen selbst sehr schwer sein muss, wenn er die Lehre, die er vielleicht Jahrelang gut fand und dann plötzlich feststellen muss, dass sie nicht biblisch ist. Dass das einem den Boden unter den Füßen wegzieht, kann ich nachvollziehen. Aber als Kind Gottes ist das wichtigste doch, dass Gott uns sein Wort gegeben hat, damit wir im Glauben wachsen können.

Sein Wort gibt uns Halt und Kraft.

Lasst nicht zu, dass eine falsche Lehre euch für sein Wort verblendet.

Kristina

Ich vermag alles durch den, der mich stark macht, Christus. - Philipper 4,13 -

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