Ich dachte, im Auftrag Gottes zu handeln.

Ich dachte, im Auftrag Gottes zu handeln.

Es gab eine Zeit kurz nach meiner Bekehrung, in der ich fest davon überzeugt war, Gottes Stimme zu hören und in seinem Auftrag zu handeln.

Ich hatte Kontakt zu einer Person, von der ich bis heute nicht weiß, ob sie bekehrt war. Was ich heute jedoch weiß ist, dass sie Irrlehren verbreitete und praktizierte.

Ihr begegnete ich über das Internet und verfolgte ihre Lehrvideos rund um die Bibel und den Glauben. Schließlich war ich ein Frischling im Glauben und begierig darauf, zu lernen. Allerdings spürte ich schnell, dass sich mit mir etwas veränderte.

Trotz meines unguten Bauchgefühls, war ich euphorisch und kaum zu bremsen.

Tagelang verbrachte ich vor dem PC und praktizierte die Gebete, die die Person als nützlich und hilfreich anprangerte. Wenn ich unterwegs war, fühlte ich mich stets von etwas getrieben und erhielt immer häufiger starke Impulse, an bestimmten Orten entlang zu fahren oder gar Personen anzusprechen.

Dieses Gefühl war so stark, dass es mir innerhalb weniger Tage immer schlechter ging und ich regelrecht erschöpft war.

Eines späten Nachmittages war ich mit dem Auto auf dem Weg zum Supermarkt, als ich am Straßenrand eine alte Dame erblickte, die gebeugt und mit Tüten behangen die Straße überqueren wollte.

Wieder überkam mich der starke Drang und ein dirigierender Gedanke, anzuhalten und sie anzusprechen.

Als ich das Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite abgestellt hatte, eilte ich zu ihr, um sie zu fragen, ob ich ihr helfen könne. Sie blaffte mich an, ob es denn nicht offensichtlich sei, dass sie Hilfe benötigte.

Ich nahm ihr die Einkaufstüten ab. Nachdem ich sie über die Straße und zu meinem Wagen begleitet hatte, bat sie mich, zur Post zu fahren und einige Briefe in den Postkasten zu werfen. Als wir dies erledigt hatten, fuhr ich sie nach Hause und wir kamen ins Gespräch.

Ich fühlte mich stets getrieben zu handeln

Sie berichtete mir von ihrem Sohn und ihrer Enkelin, von ihrer Vergangenheit als gut situierte Geschäftsfrau und ihrem Lebenswandel im Alter, der von Krankheit und Gebrechen bestimmt war. Es dauerte nicht lange und unser Gespräch führte zum Glauben und zu Gott.

Die alte Dame schien an Gott zu glauben und ich war froh, ihr helfen zu können.Die alte Dame erklärte mir, dass sie fest davon überzeugt sei, dass die aktuelle Welt irgendwann nicht mehr bestehen werde und dass sie schon immer an Gott geglaubt habe.

Ich stimmte ihr zu und empfand die Kommunikation mit ihr als eine „Fügung“ des Herrn.

Als wir uns verabschiedeten, versprach ich ihr, in den kommenden Tagen erneut vorbei zu schauen. Ich hatte ihr versprochen, Katzenfutter zu besorgen, dass es nur in einem entfernten Supermarkt gab.

Am Ende der Woche besuchte ich sie erneut und brachte ihr das Futter für ihre Katzen.

Dieses Mal bat sie mich wieder einige Briefe zur Post zu bringen.

Ich dachte, im Auftrag Gottes zu handeln.

Sie erklärte mir, dass diese an berühmte Personen im Ausland adressiert seien, von denen sie eine hohe Summe Geld zu erwarten habe. Mehrmals betonte sie, dass es sich dabei um mindestens fünfstellige Summen handele, von denen sie unter anderem dringend ein Haus für streunende Katzen kaufen wolle.

Wenn ich ihr dabei helfen würde, die Briefe noch heute zur Post zu bringen, würde auch ich etwas von dem Geld erhalten, dass ihr bald zur Verfügung stünde. Das Wichtigste jedoch sei, dass die Briefe noch am selben Tag versendet würden.

Alles hinge von mir ab.

Ehrlich gesagt war ich ziemlich verdutzt. Sie offenbarte mir Dinge, die mich nicht im mindestens etwas angingen. Warum wollte sie mir Geld hinterlassen? Ich half ihr, weil ich dies gerne tat. Und obwohl ich mich über meine eigenen Grenzen der Erschöpfung hinaus dazu getrieben fühlte, wollte ich ein Zeugnis Gottes und der Nächstenliebe sein.

Es folgt eine böse Überraschung

Anschließend erklärte sie, ich solle den Inhalt der Briefe am Kopierer der Post kopieren und die Briefe dann frankieren.

Schon wieder spürte ich ein Unbehagen.

Ich wollte kein Mitwisser ihrer dringlichen und finanziellen Angelegenheiten sein. Schneller als ich denken konnte, fand ich mich in einem Zwiespalt wieder. Einerseits wollte ich ihr meine Hilfe nicht abschlagen, andererseits fühlte ich mich unangenehm überrumpelt und bereits in etwas involviert, das mich nichts anging.

Widerstrebend machte ich mich auf den Weg zur Post. Es war etwa 17.30 Uhr. Ich hatte also noch eine halbe Stunde Zeit, um die Briefe abzusenden.

Als ich nun vor dem Kopierer stand und den Inhalt des ersten Briefes auf die Scanoberfläche legte, bemühte ich mich tunlichst, nicht auf die riesige Überschrift und den Text des Briefes zu achten. Doch es war vergeblich. Meine Augen hatten einen Teil dessen bereits zur Kenntnis genommen und waren anschließend an der Adresse hängen geblieben, an die der Brief gerichtet war.

Augenblicklich erstarrte ich. Ich bekam Gänsehaut und ein eiskalter Schauer überlief mich.

Eine einzelne Zeile stach mir ins Auge: „Spirit Magazine“.

Und ich wusste, hier war etwas faul.

Wer mein Zeugnis gelesen hat, mag verstehen, warum ich plötzlich vollkommen geschockt war.

Bevor ich zum Glauben kam, war ich tief in der Esoterikszene verstrickt, die mich letztlich seelisch und gesundheitlich ruinierte. Und nun stand ich in einer Postfiliale, eifrig darum bemüht einer alten und schwachen Dame Gutes zu tun und lief dem Satan erneut mitten in die Arme.

Fettgedruckte Überschriften alá „Was ist Ihre Glückzahl?“ und „Wie Sie wissen, sind Sie sind eine Auserwählte von nur wenigen Personen, Fr. X“ grinsten mich hämisch an.

Gott bewahrt mich vor dem falschen Weg

Ich betete kurz.

Doch ich ahnte sofort, dass das hier einer Prüfung gleichkam. Ich konnte die Briefe nicht absenden. Und ich würde dem Teufel nicht in die Hand spielen.

Ich warf einen Blick auf die Uhr. Es war inzwischen 17.45 Uhr. Ich musste mich entscheiden.

Und ich ging.

Ich brachte die Briefe zurück und erklärte der alten Dame, dass ich es nicht über mich bringen würde, diese abzuschicken. Ich konnte das Machwerk ihrer „ausländischen Kontakte“ nicht unterstützen.

Verblüfft und geschockt taxierte sie mich mit einem empörten Blick.

Die Briefe hätten an diesem Tag abgesandt werden müssen. Nun sei ich schuld, dass die streunenden Katzen der Umgebung keine Unterkunft bekämen. Gott hatte vor gehabt, ihr dieses Geld zu schenken und ich hätte dieses Vorhaben vereitelt.

Ich dachte, im Auftrag Gottes zu handeln.

Ich erklärte ihr, dass diese Schreiben gewiss nichts mit Gott zu tun hätten, denn ich wusste aus eigener Erfahrung, was es bedeutete, an „spirits“, Glückszahlen und Magie zu glauben. An die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit des Adressaten glaubte ich nicht.

Die Freundlichkeit war wie weggeblasen und ihr wahres Gesicht kam zum Vorschein.Plötzlich wurde sie böse und prophezeite mir, dass es mir aufgrund meiner Kleinlichkeit nicht gut ergehen und ich krank werden würde.

Bereits die Chinesen hätten ihre Glückszahlen gehabt. Daran sei nichts Schlimmes. Sie sei enttäuscht von mir und könne dazu nichts mehr sagen. Ich fühlte mich wie im falschen Film. Hatte ich ihr anfangs nur helfen wollen, entpuppte sich das Ganze nun als äußerst makabres Szenario.

Doch in all dem spürte ich die unausweichliche Gewissheit, dass ich den richtigen Schritt gegangen war. Die Kraft, nicht einzuknicken und gegen mein Gewissen zu handeln, sondern ihre Beschimpfungen zu ertragen, war so groß, dass sie nur von Gott hatte kommen können.

Ich verabschiedete mich und sah die alte Dame nie wieder.

Gottes Wort lehrt mich zu prüfen

Doch der Herr zeigte mir später, dass all die dirigierenden Gedanken, die mir sagten, was ich als nächstes tun sollte, nicht von ihm stammten. Ich realisierte schnell, dass der Verursacher all dessen einer anderen Quelle entstammte und mit dem Kontakt einherging, den ich im Internet geknüpft hatte.

Nach aufrichtigem Gebet und der Bitte um Vergebung war ich augenblicklich frei von jeglicher Unruhe und Fremdbestimmung und habe ein solches Gefühl auch nie wieder fühlen müssen.

Ständig getrieben zu sein und über die eigenen Grenzen zu gehen, ist gewiss nicht Gottes Wille.

Unser Gott ist ein liebender Gott voller Sanftmut. Er ist kein Antreiber, der Chaos und Unruhe verursacht.

In IHM finden wir Frieden.

Heute weiß ich, dass Satan mich damals in die Falle locken wollte. Und dass der Herr mich vor dem falschen Schritt bewahrt hat.

Ich begann, die Bibel selbst zu lesen und lernte vor allem eines: dass sie die einzige Grundlage im Leben eines Christen darstellt, anhand der wir alles prüfen können und sollen, was uns in unserem Leben begegnet.

Gerade in unserer heutigen Zeit ist es so wichtig, nüchtern und wachsam zu bleiben!

Ich danke dem Herrn so sehr für seine Erkenntnis, die er mir schenkte und dass ich durch diese Erfahrung wieder ein Stück dazu lernen durfte.

Möge der Herr auch euch bewahren!

Alexandra

Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden. - Römer 5 20 -

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