Beziehungen die anstrengend sind – lohnt sich das?

Eigentlich wollte ich über den Zettel von letzter Woche schreiben. Das raue Wetter hatte ihm übel mitgespielt. Und offenbar war ich die Einzige, die ein Stück Hoffnung mitgenommen hatte. Ich wollte auf dem Zettel mich für die geniale Idee bedanken. Ja, ich wollte. Denn an dem Tag, wo ich den Stift mitgenommen hatte, war der Zettel offenbar bereits abgerissen worden. Ich war von mir selbst ein wenig enttäuscht, dass ich meinen Gedanken nicht in die Tat umsetzen konnte und nahm mir bei der nächsten Gelegenheit vor, eher zu reagieren. Und wie ich so über die Zettel Geschichte nachdenke, kommt mir das Wort „Beziehungen“ in den Sinn.

Beziehungen können – anstrengend sein. Auch in christlichen Kreisen. Man ist als Kind Gottes nicht davon verschont, dass manche Kontakte nervlich anstrengend sind. Sei es nur, weil das Thema so tief und belastend ist. Ich persönlich gehe dann innerlich etwas auf Distanz, um nicht mit emotional mitgerissen zu werden. Leider hat das aber manchmal den negativen Effekt, dass mir manches egal ist. So hart wie das klingt. Vielleicht distanziere ich mich momentan einfach zu sehr von manchen Dingen, weil ich gerade in einem Schneckenhaus lebe (aus Beton).

Beziehungen zu Menschen mit psychischer Erkrankung können anstrengend sein

Vielleicht stellen wir die Effektivität zu sehr in den Vordergrund? Wir wollen, dass alles reibungslos läuft. Kosten und Nutzen sparen. Das Projekt muss rechtzeitig fertig gestellt werden. Zwischenmenschliche Kontakte fallen oft hinten an oder werden gar nicht beachtet. Man funktioniert nur noch. So kam ich mir zumindest in der Gemeinde vor.

Beziehungen die anstrengend sind - lohnt sich das?

Ich kann übrigens verstehen, wenn man ein wenig Hemmungen hat, Kontakte zu Menschen mit psychischer Erkrankung zu haben. Und ich persönlich brauche viel Zeit, um im Gespräch mit meinem Gegenüber aufzutauen, ihm auch nur ansatzweise zu vertrauen. Ein Treffen mit einer Person, welches dann wieder im Sand verläuft, endete für mich jedesmal in einer riesen Enttäuschung, weil ich leider viele Treffen brauche, um halbwegs „aufzutauen“.

Ich weiß auch nicht, warum es mir leichter fällt, Gedanken hier schriftlich zu verfassen. Vielleicht weil ich meist über diese lange, sehr lange nachgedacht habe. Und ich versuche auch, immer mich in meinem Gegenüber hinein zu versetzen. Die Enttäuschung, wenn ein Kontakt im Sande verläuft, bleibt aber unabhängig davon bestehen.

Ich bin Gott dankbar!

Man wird als psychisch kranker Mensch oft doppelt bestraft (hartes Wort, ich weiß). Weil man es selbst schon schwer hat im Alltag und dann Beziehungen zu Menschen noch schwerer für „normale“ Menschen sind. Und wenn diese dann abbrechen (aus den verschiedensten Gründen) fällt man wieder in ein Loch. Doch, der Herr ist meine lebendige Hoffnung. Ich bin ihm dankbar, dass ich mich bei ihm geborgen fühlen kann.

Das Leben ist wirklich ein anderes, im Vergleich zu den vielen Jahren, wo ich ohne den Frieden Gottes mehr schlecht als recht existiert habe. Das tröstet mich. Und ich will mich hier auch nicht als Opfer darstellen – es gehören zu einer Freundschaft immer zwei Menschen. Manchmal habe ich auch Zeiten, wo ich wenig direkten Kontakt zu anderen haben möchte. Es ist halt alles nicht so leicht manchmal.

Aber auch da bin ich Gott dankbar, dass er so geduldig mit mir ist. Und ich bin sehr dankbar, über die wenigen Kontakte, die ich habe. Das möchte ich hier am Ende auch nochmal betonen. Ich bin grad etwas zu sehr in der depressiven Phase drin und da sieht man oft leider nur noch schwarz. Von daher rufe ich mir in die Erinnerung all das Gute, was Gott mir gab und gibt.

Von daher, wenn es dir schlecht geht, denk an das Gute, an die kleinen Dinge im Leben, die dir eine Freude bereiten. Viele Herzensgebete, die ich habe, haben sich im Laufe der Jahre erfüllt. Das sind die ganz tiefen Gebete, die nichts mit materiellen Dingen zu tun haben. Es sind die Gebete, die wir oft kaum aussprechen, weil wir sie so tief im Herzen mit uns herum tragen.

Wenn ein solches erfüllt wird, spürt man eine tiefe Erleichterung und Dankbarkeit.

Kristina