Ich war ein Fake als Christ und tat so, als ob ich dazugehörte.

Ich war ein Fake als Christ und tat so, als ob ich dazugehörte.

Im dritten Teil des Zeugnisses möchte ich euch davon erzählen, wie ich damals in Ulm (wo ich als Soldat stationiert war) für einige Zeit so tat, als ob ich ein Christ sei. Dabei habe ich damals wirklich geglaubt, aus eigenem Antrieb heraus, mich zu ändern. Doch das war eine falsche Annahme durch und durch.

In Ulm muss ich von 2007-09 gewesen sein. Ich bin nach der Grundausbildung in Heide nach einem kurzen Zwischenstopp in Delmenhorst zu einer kleinen Luftwaffeneinheit am Ende der Welt (Baden Württemberg) direkt kurz vor der bayrischen Grenze versetzt worden. Der schwäbische Dialekt war – genau wie die Bibel – für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Ich hielt es meinen Kameraden zu gute, dass sie in meiner Anwesenheit sich bemühten, nicht zu „schwäbeln“, denn ich verstand kein Wort davon.

Vom Norden in den Süden versetzt zu werden entpuppte sich als Herausforderung. Sie blieb es auch bis zu meiner Versetzung zurück in den Norden. Ich versuchte mich anzupassen, merkte aber, dass ich nicht dazu passte. Genau wie ich eigentlich ein eigenwilliger Soldat war, der nicht blind irgendetwas tat (sondern nach den Grund fragte), empfand ich das Leben dort im Dorf als Außenseiter schwierig. Als meine Vermieterin während meines Lehrganges ungefragt in meine Wohnung eindrang um mir hinterher zu sagen, dass diese unordentlich sei und sie künftig alle zwei Wochen zwecks Kontrolle vorbeikommen würde, kündigte ich sofort den Mietvertrag und zog in die kleine, aber feine Stadt Ulm um.

Meine Mutter empfahl mir, eine Gemeinde zu suchen

Dort hüllte ich mich in die wohlige Atmosphäre der Anonymität und begann meine zweifelhafte Karriere als WOW (World of Warcraft) Spieler. Diese Welt, in der jeder ein Held sein konnte, zog mich total in ihren Bann. Außerdem gelang es mir, mich während dieser Zeit von der Außenwelt völlig abzukapseln. Ich erschuf meine eigene Welt, weil die reale für mich immer schwerer zu ertragen war.

Ich bemühte mich, christlich zu sein. Aber ich verstand nicht im Geringsten, was Christ zu sein bedeutete!Vielleicht war es ein Telefonat oder der Gedanke, den Christen nochmal eine weitere Chance zu geben. Wie dem auch sei, an einem Sonntag stand ich inmitten von Christen in einem schönen großen Saal, schüttelte Hände, stellte mich vor und setzte mich schließlich hin. Die Predigt muss mir gut gefallen haben, auch wenn ich heute nicht mehr weiß, wovon sie gehandelt hat. Ich beschloss, einen Hauskreis zu besuchen und meldete mich bei einem der Hauskreisleiter dafür an.

Beim nächsten Treffen würde ich dabei sein. Am besagten Abend wurde ich von einer älteren Frau abgeholt. Sie war mir sofort sympathisch. Auch die anderen Christen mochte ich. Die Gemeinschaft mit ihnen lehnte ich per se ja nicht ab. Aber ich konnte ihre Liebe und Hingabe zu diesem Herrn Jesus nicht nachvollziehen.

Er war tot. Was konnte er noch jetzt bewirken?

Nach dem leckeren Abendessen setzten wir uns in den obligatorischen Stuhlkreis und ich stellte mich vor. Ab hier muss meine Fake-Identität begonnen haben. Ich kann mich an den genauen Wortlaut nicht erinnern, aber ganz sicher sagte ich, dass ich an Gott glaube und an Jesus Christus. Was zum einen stimmte – ich glaube an Gott, aber hatte keine echte Beziehung zu ihm. Und dann weiß ich, dass ich noch die Sätze wie: Jesus für unsere Sünden gestorben, das Blut am Kreuz geopfert etc. von mir gegeben habe.

Ich war ein Fake als Christ und tat so, als ob ich dazugehörte.

Ein Fake durch und durch

Ich hatte viel von meiner Mutter zu dem Thema gehört und konnte nun all diese Sätze anwenden. Man sah mich an, nickte mir ergriffen zu und nahm mich in den Kreis der Gläubigen auf. Dabei war ich keiner. Ich hatte zwar das Evangelium gehört, aber nicht begriffen. Diese Sätze, die ich von mir gab, besaßen keine Bedeutung für mich.

Wir schlugen die Bibel auf, ich tat so, als ob ich die Verse verstand und zum Abschluss sangen wir noch einige Lieder. Dann endete der Abend mit Umarmungen und ich wurde wieder nach Hause gefahren. Es war keine Absicht gewesen, die Leute zu täuschen, aber ich log automatisch. Wahrscheinlich wollte ich einfach nicht zugeben, unwissend zu sein. Lieber setzte ich mir eine Maske auf und spielte Christ.

Das klappte nur eine Zeit lang.

Mein Alltag gestaltete sich völlig abnormal. Nach der Arbeit wurde sofort der Rechner angeschaltet und bis in die Nacht WOW gespielt. Ich merkte, dass es mich störte, am Sonntag für den Gottesdienst aufzustehen. So konnte ich nicht den Samstag durchzocken.

Im Hauskreis lief es solange angenehm für mich, bis wir die Bibel aufschlugen. Ich erinnere mich noch gut an dem Abend, wo wir nur zu dritt waren. Als anständiger Fake-Christ schaffte ich es, dass wir die Bibel an diesem Abend ignorierten und gesellschaftliche Gespräche führten. Das wertete ich tatsächlich als Erfolg.

Ich war dann wohl doch ein Wolf im Schafspelz…

Die Hölle war für mich damals attraktiver als der Himmel

Die Entscheidung gegen die Gemeinde wuchs mit jedem weiteren Besuch derselben. Ich gehörte einfach nicht dazu.Feuer und Wasser gehören nicht zusammen. Die Erkenntnis reifte in mir heran, als ich am Sonntag nach dem Gottesdienst mit dem Bus nach Hause fuhr. Warum stand ich am Sonntag früh auf? Ich wollte die Nacht durchzocken und meine Sorgen vergessen.

Die Predigten verstand ich nach wie vor nicht und die Freude – von der alle redeten – spürte ich nicht. Der Satan verführte mich mit diesem Onlinespiel und ich sagte freudig dazu „ja“.

An diesem Tag beschloss ich, nicht mehr in die Gemeinde und in den Hauskreis zu gehen und brach alle Kontakte ab. Der Feind hatte sein Ziel (vorerst) erreicht. In den kommenden Jahren erlebte ich, wie mein beruflicher Werdegang in tausend Scherben zerbrach, dazu die Psyche stark litt.

Zu jeder Zeit hätte ich damals sterben können, aber der Herr bewahrte mein Leben. Obwohl ich es selbst für gering erachtete. Die Christen damals, bei denen ich im Hauskreis war, hätten mich auch als Nichtgläubige aufgenommen. Aber ich musste ihnen und mir etwas vormachen. Vielleicht lesen manche irgendwann diesen Text und freuen sich, dass ich nach diesen Ehrenrunden doch ein Kind Gottes geworden bin.

Ich danke euch für eure Gastfreundschaft!

Kristina

Auf einen Blick:

Denn so [sehr] hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengeht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. - Johannes 3, 16-17 -

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