Der hellste Tag in meinem Leben!

Der hellste Tag

Als ich aus der Wohnung trete, blicke ich hinauf zum Himmel. Die Sonne trat aus dem Wolkendickicht hervor und lächelte auf mich herab. Am Straßenrand lag der Rest vom Schnee, der sich langsam aber stetig schmelzend in Wasser verwandelt, welches als Rinsale, hinein in den Gullyschacht, in die dunkle Kanalisation floss. Heute war ein wirklich schöner Tag. Heute hatte ich beschlossen, meinem Leben ein Ende zu setzen.

Die Geschichte meines Lebens war ein echtes Auf und Ab. Als Kind hatte ich mich den okkulten Mächten geöffnet. Dabei war das alles ein harmloses Geburtstagsspielchen gewesen. Eine Freundin hatte zum Geburtstag einer anderen Freundin ein Ouija Brett mitgebracht, womit man die Geister befragen konnte. Das probierten wir mit Freude aus. Wir waren 10 und hatte keine Ahnung was wir taten. Es war ein harmloser Spaß, so dachte ich das jedenfalls.

Der Abend verlief harmlos, es ruckelten keine Tische oder Schränke, das Licht ging nicht aus – nichts passierte. Aber dennoch bemächtigte sich die Dunkelheit meiner Seele und setzte eine tiefe Traurigkeit frei, die später zur echten Depression auswuchs.

Aber damals war ich 10 und hatte keine Ahnung von Depressionen und konnte meinen Eltern nicht erklären, warum meine Gefühlswelt wankte. Ich ging weiter zur Schule, tat so, als ob ich ein glückliches Kind war (an materiellen Dingen fehlte es mir nie!), jedoch mischte sich der Alltag mit immer stärker werdenden Suizidgedanken. Ich schrieb sogar ein Testament, das meine Mutter beim Aufräumen des Zimmers fand. Als wir zu Abend aßen, konfrontierte sie mich mit dem Testament. Ich hatte große Mühe, ihr zu versichern, dass das einfach nur ein dummer Scherz von mir gewesen ist.

Dabei meinte ich das todernst.

Der hellste Tag

So beendete ich die Schule, begann eine Ausbildung, zog von zu Hause aus und lebte alleine mit meiner Katze in Hamburg. Mit der Arbeitswelt konfrontiert konnte ich für einige Zeit meine Depressionen in den Griff kriegen. Durch den Sport – den ich immer exzessiver betrieb – konnte ich mich ablenken. Aber all das war nur von temporärer Dauer.

Für Außenstehende nicht zu begreifen – ich selbst begriff es ja nicht!

Tags über ging ich zur Arbeit, nachts wurde ich oft von Dämonen geplagt, die meinen Körper angriffen und ich war nicht in der Lage, mich zu bewegen. Dieses Phänomen hat sogar einen Namen „Schlafparalyse“. Und bei Wikipedia gibt es sogar einen Eintrag.

Ich hab den Artikel mal verlinkt.

Aber all die Wörter können nicht beschreiben, wie es sich anfühlt, gelähmt zu sein und grauenvolle Dinge zu sehen, zu hören, zu fühlen. Das die Wissenschaft das als Halluzination einstuft, ist verständlich. Ich selbst würde es ja nicht glauben, wenn ich das nicht erlebt hätte. Durch all diese Angriffe wurde ich zermürbt und irgendwann konnte ich nicht mehr.

Ich war am Ende.

Zu der Zeit arbeitete ich als Soldatin beim Bund. Ich versuchte, so sehr in die Gesellschaft zu passen, dass ich mittlerweile körperliche Auswirkungen verspürte. Meine Mundwinkel verzogen sich und spannten sich automatisch an. Ich musste krampfhaft daran denken, mich nicht zu verspannen. Das klingt harmlos, aber mir zeigte es, dass sich etwas ändern muss.

Ich wusste aber nicht, wie ich etwas ändern konnte.

Darauf war ich nicht vorbereitet. Mein ganzes Leben lang wollte ich gut in der Schule und später gut im Beruf sein. Und jetzt wo ich endlich einen guten Job hatte, brach alles zusammen. Der letzte Schubser in den psychischen Abgrund war der Tod eines Arbeitskollegen, mit dem ich mich sehr gut verstanden hatte.

Ich landete schließlich da, wo viele Menschen heute noch hinter vorgehaltener Hand und mit hochgezogenen Augenbrauen sprechen: In der Psychiatrie. Für mich war es eine fremde Welt, aber – so erhoffte ich es mir – vielleicht konnten die Ärzte meinen Seelenzustand heilen und mich von den ständigen Todeswünschen befreien. Leider beschränkten sich die Ärzte darauf, mir Pillen zu geben und wunderten sich, dass es mir nicht besser ging. Ich möchte aber hier nicht über alle Ärzte schlecht reden, später habe ich ganz wunderbare kennengelernt, das war aber ein anderes Krankenhaus.

In diesem Speziellen half man mir nicht – sondern entließ mich sogar, als ich noch immer lautstark davon sprach mein Leben zu beenden, damit der Schmerz endlich im Inneren aufhören würde.

Der hellste Tag

Der hellste Tag

Als ich nach Hause kam, hätte ich mich bei meiner Einheit melden müssen, aber daran dachte ich überhaupt nicht. Ich sah nur noch einen Ausweg – den Tod.

Wenn mir jemand zu dem Zeitpunkt einen Flyer über Jesus in die Hand gedrückt hätte, ich hätte ihn zerrissen und die Schnipsel demjenigen vor die Füße geworfen. Ich war durch mit Gott und Jesus und wollte einfach nur noch meine Ruhe!

Aber an diesem Tag ließ Gott mich nicht in Ruhe.

Als ich sterben wollte und das Leben aus mir wich, wurde ich ständig ohnmächtig. Während dieser Ohnmacht sprach Gott zu mir. Als ich dann wieder wach wurde, war ich total verwundert. Wer hatte zu mir gesprochen? Wer war das?

Ich stand auf, wurde wieder ohnmächtig und knallte auf den Boden mit dem Kopf auf. Schon wieder sah ich die Laufschrift wie ein Werbebanner von links nach rechts fließen. Sie sagte nur einen Satz, den wiederholte sie aber ständig.

Deine Zeit ist noch nicht gekommen!

Ich wachte wieder auf und das ganze wiederholte sich einige Male. Aber mit jeder Ohnmacht wurde der Wunsch zu Leben wieder entfacht. Anfangs noch als winzige Flamme, die jederzeit ausgehen könnte, loderte es irgendwann in mir. Ich verspürte etwas, was ich seit langer Zeit nicht mehr verspürt hatte.

Den Wunsch zu leben!

Ich schaffte, es den Notruf zu wählen, aber Gott hatte auch in dem Fall vorgesorgt, sollte ich keine Kraft dafür mehr haben. Denn zwei Kameraden waren auf dem Weg in meine Wohnung. Mein Arbeitgeber hatte vom Krankenhaus ein Fax bekommen, dass ich entlassen wurde. Als ich mich nicht meldete, schickte der Spieß (Kompaniefeldwebel) zwei Soldaten zu meiner Wohnung. Die klingelten nichtsahnend. Ich öffnete ihnen noch die Tür und brach dann zusammen.

Auf dem Boden liegend, nehme ich alles deutlich wahr. Die Sanitäter versuchen mit steigender Verzweiflung, mir einen Zugang zu legen. Dummerweise sind meine Venen sehr dünn und machen den Ärzten nie Freude. Polizisten steigen über mich hinweg und gehen in die Küche. Deutlich höre ich das Klacken des Auslöser vom Fotoapparaten. Steht es so schlimm um mich, dass Beweisfotos angelegt werden müssen, was ich in der Küche veranstaltet habe? Irgendwann höre ich von den Sanitätern nur noch „Wir müssen ins Krankenhaus, dann eben ohne Zugang!“ und ich werde von vielen Händen  getragen, per Trage in den Krankenwagen verfrachten.

Als ich ins Krankenhaus eingeliefert wurde, begann der Kampf auf Leben und Tod. Ich erinnere mich deutlich, wie ich im Schockraum liege und mein gesamter Körper von oben bis unten sich schüttelt. Es war eine surreale Situation, nicht mehr Herr seines Körpers zu sein.

Dieser Tag ist noch deutlich in mein Unterbewusstsein gebrannt und ich habe mir vor dem Bericht Gedanken gemacht, wie viel ich davon beschreibe. Die schlimmsten Dinge habe ich ausgelassen. Dennoch wollte ich darüber schreiben, um dem Herrn für diesen Tag zu danken. Hätte er nicht eingegriffen, wäre ich jetzt nicht im Himmel.

Auf der anderen Seite habe ich mich an diesem Tag nicht zu Jesus bekehrt. Das dauerte noch fast ein Jahr, bis ich soweit war, meine Sünden zu bekennen und an Gott zu glauben und vor allem an die Bibel, sein Wort. An diesem speziellen Tag, der eigentlich der dunkelste Tag in meinem Leben war, wurde er zum Hellsten, weil Gott mich nicht aufgegeben hatte, als ich sterben wollte. Ich kann auch nicht sagen, warum Gott mich damals gerettet hat und warum er nicht alles Selbstmorde in dieser Welt verhindert. Ich glaube ganz fest, dass Gott jeden Menschen im Leben mehrmals anspricht. Es ist einfach Gnade, dass an diesem Tag der Herr mich nicht fallen gelassen hat, als ich von ihm nichts mehr hören wollte.

Darum möchte ich darüber schreiben und es bezeugen:

Alle Ehre gebührt dem Herrn!

Kristina

Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im voraus wißt, so hütet euch, daß ihr nicht durch die Verführung der Frevler mit fortgerissen werdet und euren eigenen festen Stand verliert! - 2. Petrus 3,17 -

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