Boonekamp oder: Wenn einem nichts mehr bleibt.

Gestern ging es wieder Abends zum Penny. Am Tag davor war ich vormittags – in der Hoffnung, Nudeln zu bekommen – einkaufen. Aber da ist momentan nichts zu machen. Wahrscheinlich werden die aufgefüllten Waren von unruhig Wartenden bereits in den ersten Minuten wieder mitgenommen. Ich frage mich: Was wollen sie alle mit der Pasta und dem Klopapier? Damit lässt sich das Virus auch nicht bekämpfen. Das denke ich, während ich meinen vielgeliebten Penny Chip (hier nachzulesen) einrasten lasse und den Wagen herausziehen will. Da versperrt jemand mir den Weg. Ein älterer Herr, mehr als leicht betrunken – hin und her schwankend – mit einer Gitarre auf dem Rücken. Ob ich ihm einen Gefallen tun könne? Ich beuge mich zu ihm und er auch, denn er spricht undeutlich und ich muss immer wieder nachfragen, was er will. Aber letztlich habe ich verstanden. Er gibt mir zwei Euro und möchte dafür zwei Packungen Boonekamp haben.

Ob er Hausverbot hätte, frage ich ihn. Er nickt. Ich zucke mit den Achseln und nicke ihm zu. Ich sehe nichts Falsches darin, ihm das zu besorgen. Sicher, vielleicht hätte ich mich mit ihm hinsetzen und über Jesus sprechen sollen oder ihm einen Flyer in die Hand drücken um ihm dann alles Gute zu wünschen. Aber ich bin bei Männern da eher auf Abstand, nachdem ein Obdachloser mich zu Hause besuchen wollte (und ich ihm die Adresse trotz mehrmaliger Nachfrage nicht gab) und auf der anderen Seite machte er mir nicht den Eindruck, dass er auf eine geistige Konversation gehofft hatte. Er wollte Boonekamp, ich wollte ihm diesen Gefallen tun.

Auch wenn es mich traurig macht, dass jemand seine Sorgen darin ertränkt. Ich kann es verstehen. Auf der Straße zu leben, ist hart. Die meisten Obdachlosen sind Alkoholiker, weil sie dieses Dasein anders nicht ertragen können.

Der Boonekamp sorgt für Aufruhr im Markt

Gut, ich also rein in den Markt und erstmal einen Verkäufer gefragt, wo dieser Boonekamp steht. Da ich keinen Alkohol trinke, hatte ich keine Ahnung, was das für ein Zeug war. Der mürrisch wirkende Verkäufer führt mich zur Alkoholabteilung. Ich schnappe mir zwei Packungen und lege sie in den Einkaufswagen. Wirken irgendwie total deplatziert da, denke ich mir noch, bevor ich losgehe, um meine Artikel zu holen.

Boonekamp oder: Wenn einem nichts mehr bleibt.

Ich freue mich über die Bami Goreng Nudeln, die in der Tiefkühltruhe liegen. Die anderen Nudeln sind ja aus. Zwar überlege ich einige Zeit, ob ich Spätzle machen sollte, entscheide mich aber für Bami Goreng. Da weiß ich, was ich hab.

Als ich die Waren auf das Band lege, trenne ich den Boonekamp von meinen Waren. Außerdem wollte ich eh mit Karte bezahlen. Die Verkäufer werden hektisch, eine Aufruhr bahnt sich an. Der draußen wartende Mann wird erwähnt. Stecke ich in Schwierigkeiten?

Der Mann vor mir, der gerade seine Ware bezahlt, wird gefragt, ob er dem Mann dort draußen den Boonekamp mitbringen soll. Er verneint und ich melde mich – komme mir gescholten vor. Die Kassiererin kassiert den Boonekamp sofort ein, sagt mir, er dürfe das nicht bekommen, da er Hausverbot hätte. Ich bin etwas sprachlos, zeige ihr, dass er mir zwei Euro gegeben hat. Sie nickt mir zu und erzählt mir, dass die Polizei gerufen wurde, da er sie bedroht hätte.

„Oh.“ rutscht es mir raus. „Zu mir war er freundlich.“

Das sei seine Masche, entgegnet sie mir.

Manchmal kann ich nur für andere beten

Eine weitere Verkäuferin gesellt sich zu mir. Man werde mich nicht alleine zu ihm lassen, sagt sie mir, als ich entgegne, dass ich ihm das Geld wiedergeben werde. Unter Beobachtung der Verkäuferin packe ich meine Ware in die Tasche. Eine total surreale Situation.

Gemeinsam mit ihr verlasse ich den Ausgang und schiebe den Einkaufswagen erstmal an die Seite, bevor ich zum Mann gehe, der – als er die Verkäuferin sieht – diese mit Schimpfwörtern eindeckt. Zeitgleich trifft die Polizei ein und geht langsam auf den Mann zu. Eine angespannte Situation. Die Verkäuferin hält gebührenden Abstand, aber ich habe keine Angst.

Zu mir war er nett.

Also gehe ich direkt zu ihm und drücke ihm das Geld in die Hand und sage ihm, dass es mir leid tut, dass ich ihm nichts kaufen durfte. Er sieht mich an, versteht und nickt traurig. Ich nicke ihm zu, drehe mich um und schiebe den Einkaufswagen zurück dorthin, wo er mit seinen anderen Gefährten auf neue Kunden wartet. Die Polizisten nennen ihn beim Namen. Scheint ein alter Bekannter zu sein. Ein Platzverbot wird ausgesprochen und als ich mich nochmal zu dem Mann umdrehe, sehe ich, wie er langsam in die andere Richtung weggeht.

Ich schreibe den Text, um für diesen Mann zu beten. Ich kenne seinen Namen nicht, aber Gott mit Sicherheit. Mein Herr, der die Anzahl der Sterne kennt und sie bei ihren Namen nennt, wird wissen, wen ich meine. Möge Gott ihm jemand schicken, der ihn ein Wegbegleiter werden kann und ihm zeigt, dass Jesus existiert und für seine Sünden gestorben ist.

Kristina

Und er hat die gegen uns gerichtete Schuldschrift ausgelöscht, die durch Satzungen uns entgegenstand, und hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete. - Kolosser 2,14 -

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